
Hitzewallungen und Nachtschweiss gehören zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. Sie können Schlaf, Wohlbefinden und Alltag erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Frauen mit solchen Beschwerden häufiger später Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Ob eine Hormontherapie dieses Risiko beeinflusst, wird seit Langem diskutiert. Viele frühere Untersuchungen schlossen überwiegend Frauen ein, deren letzte Regelblutung bereits länger zurücklag. Eine neue, im September 2026 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Studie untersuchte deshalb Frauen, die sich noch im Übergang zur Menopause oder in den Jahren danach befanden und Hitzewallungen oder Nachtschweiss hatten.
Die Forschungsgruppe wollte wissen: Ist der Beginn einer Hormontherapie bei diesen Frauen mit einem veränderten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden? Und spielt es eine Rolle, wann die Behandlung im Verhältnis zur letzten Regelblutung begonnen wird?
Dafür wertete sie Daten von 2737 Teilnehmerinnen der amerikanischen Langzeitstudie SWAN aus. Alle berichteten über Hitzewallungen oder Nachtschweiss und hatten zum jeweiligen Beginn der Auswertung weder eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung noch zuvor eine menopausale Hormontherapie angewendet. Im Untersuchungszeitraum von rund 20 Jahren begannen 755 Frauen eine Hormonbehandlung; ihr durchschnittliches Alter bei Behandlungsbeginn betrug knapp 54 Jahre. Erfasst wurden Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzschwäche, Eingriffe zur Wiederherstellung der Durchblutung und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine Besonderheit war die Auswertungsmethode: Die Forschenden nutzten die vorhandenen Beobachtungsdaten, um möglichst genau den Aufbau einer klinischen Vergleichsstudie nachzubilden. Dabei berücksichtigten sie zahlreiche mögliche Einflussfaktoren, darunter Alter, Rauchen, Bewegung, Blutdruck, Blutfette und Blutzucker. Die Frauen wurden jedoch nicht per Zufall einer Behandlung zugeteilt.
Insgesamt traten 224 Herz-Kreislauf-Ereignisse auf. Nach Berücksichtigung der Einflussfaktoren war der Beginn einer Hormontherapie mit einer um etwa 22 % niedrigeren relativen Ereignisrate verbunden. Das bedeutet nicht, dass von 100 behandelten Frauen 22 vor einer Erkrankung geschützt wurden. Zur Einordnung: Die modellierten Kurven ergaben nach zehn Jahren einen Unterschied von ungefähr neun Ereignissen pro 1000 Frauen.
Auch der Zeitpunkt schien bedeutsam: Bei Frauen, die bereits im Übergang zur Menopause oder innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Regelblutung mit der Therapie begannen, lag die geschätzte relative Ereignisrate etwa 27 % niedriger. Bei einem späteren Beginn zeigte sich kein klarer Vorteil; die Schätzung war wegen der kleinen Gruppe sehr unsicher. Zudem unterschieden sich die Ergebnisse zwischen Bevölkerungsgruppen. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Schwarzen Frauen, während bei weissen Frauen und den übrigen untersuchten Gruppen kein eindeutiger Zusammenhang nachweisbar war. Die Gründe dafür bleiben offen.
Die Ergebnisse müssen vorsichtig interpretiert werden. Eine Beobachtungsstudie kann trotz aufwendiger statistischer Verfahren nicht beweisen, dass die Hormone selbst den Unterschied verursacht haben. Frauen, die eine Therapie beginnen, können sich beispielsweise hinsichtlich Gesundheitsverhalten oder medizinischer Versorgung von anderen Frauen unterscheiden. Auch die Stärke der Hitzewallungen wurde nicht ausreichend erfasst. Viele Herz-Kreislauf-Ereignisse beruhten auf Angaben der Teilnehmerinnen und konnten nicht unabhängig bestätigt werden. Ausserdem erlaubt die gemeinsame Auswertung verschiedener Hormonbehandlungen keine verlässliche Aussage darüber, welches einzelne Präparat oder welche Anwendungsform günstiger ist.
Die Studie liefert Hinweise auf einen möglichen günstigen Zusammenhang zwischen einem frühen Beginn der Hormontherapie und der Herz-Kreislauf-Gesundheit bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden. Sie beweist jedoch keinen Herzschutz und rechtfertigt keine Hormontherapie allein zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Behandlung belastender Beschwerden bleibt eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken entscheidend. Die Herz-Kreislauf-Ergebnisse dieser Studie ersetzen dabei keine Beurteilung der gesamten Sicherheit einer Hormontherapie.
Quelle: Wang et al., JAMA Internal Medicine, veröffentlicht am 8. September 2026. DOI: 10.1001/jamainternmed.2026.2922. jamainternal_wang_2026_oi_26004…
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