«Brain Fog» nach vorbeugender Entfernung der Eierstöcke

Kann ein ADHS-Medikament helfen?

Therapie
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Referenz: Metcalf CA, Page CE, Stocker BOS, Johnson RL, Duffy KA, Sammel MD, Loughead J, Epperson CN. Treating new-onset cognitive complaints after risk-reducing salpingo-oophorectomy: A randomized controlled crossover trial of lisdexamfetamine. Gynecol Oncol. 2024 Nov;190:62-69.

Viele Frauen mit einer BRCA1- oder BRCA2-Genmutation entscheiden sich für eine vorbeugende Entfernung der Eierstöcke und Eileiter, um ihr Risiko für Eierstock- und Brustkrebs deutlich zu senken. Dieser Eingriff kann jedoch eine plötzliche Menopause auslösen. Neben Hitzewallungen oder Schlafstörungen berichten viele Betroffene auch über Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und das Gefühl, geistig nicht mehr so leistungsfähig zu sein wie zuvor. Diese Beschwerden können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Eine aktuelle Studie untersuchte deshalb, ob das ADHS-Medikament Lisdexamfetamin diese kognitiven Beschwerden lindern kann.

Fragestellung

Die Forschenden wollten herausfinden, ob Lisdexamfetamin – ein Medikament, das zur Behandlung einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt wird – die Konzentration, Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächtnis von Frauen verbessert, die nach einer vorbeugenden Entfernung der Eierstöcke erstmals über deutliche kognitive Probleme klagen.

Methode

An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie nahmen 69 Frauen im Alter von 35 bis 58 Jahren teil. Alle hatten sich aufgrund eines genetisch erhöhten Krebsrisikos einer beidseitigen Entfernung der Eierstöcke und Eileiter unterzogen und berichteten erst seit der Operation über Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Jede Teilnehmerin erhielt sowohl Lisdexamfetamin als auch ein Placebo – jeweils für sechs Wochen und in zufälliger Reihenfolge, getrennt durch eine mindestens zweiwöchige Behandlungspause. Dadurch diente jede Frau gleichzeitig als ihre eigene Kontrollperson. Neben Fragebögen zur subjektiven Einschätzung der geistigen Leistungsfähigkeit wurden auch standardisierte neuropsychologische Tests durchgeführt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse waren vielversprechend. Frauen unter Lisdexamfetamin berichteten über eine deutliche Verbesserung ihrer Konzentration, Organisation, Aufmerksamkeit und ihres Arbeitsgedächtnisses im Vergleich zur Placebo-Phase. Bereits nach drei Wochen zeigte sich ein klarer Effekt, der bis zum Ende der sechswöchigen Behandlung anhielt. Rund 82 % der Frauen erfüllten unter Lisdexamfetamin die Kriterien für ein klinisch relevantes Ansprechen, verglichen mit 46 % unter Placebo.
Auch objektive Gedächtnistests bestätigten teilweise diese Eindrücke: Besonders das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit verbesserten sich unter der Behandlung. Dagegen zeigte sich kein zusätzlicher Nutzen beim verbalen Langzeitgedächtnis oder bei einfacheren Aufmerksamkeitstests.
Wie bei stimulierenden Medikamenten üblich, traten unter Lisdexamfetamin häufiger Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit, Schlafprobleme oder Nervosität auf. Insgesamt wurde das Medikament jedoch gut vertragen, und die Zahl der Studienabbrüche unterschied sich nicht von der Placebogruppe.

Limitationen

Die Studie weist einige Einschränkungen auf. Die Teilnehmerinnen waren überwiegend weiß, gut ausgebildet und sozial privilegiert. Deshalb ist unklar, ob sich die Ergebnisse ohne Weiteres auf alle Frauen übertragen lassen. Zudem dauerte die Behandlung lediglich sechs Wochen. Aussagen zur langfristigen Wirksamkeit und Sicherheit sind daher nicht möglich. Schließlich könnten die häufigeren Nebenwirkungen dazu geführt haben, dass manche Teilnehmerinnen vermuteten, das aktive Medikament einzunehmen, was ihre Selbsteinschätzung beeinflusst haben könnte.

Fazit

Die Studie liefert erstmals gute Hinweise darauf, dass Lisdexamfetamin Frauen mit neu aufgetretenen Konzentrations- und Gedächtnisproblemen nach einer vorbeugenden Entfernung der Eierstöcke helfen könnte. Besonders Frauen, die keine Hormontherapie erhalten können oder bei denen diese die Beschwerden nicht ausreichend lindert, könnten künftig von einer solchen Behandlung profitieren. Dennoch handelt es sich um erste Ergebnisse. Bevor Lisdexamfetamin routinemäßig für diese Indikation empfohlen werden kann, sind größere und längerfristige Studien erforderlich.

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