Wechseljahre und Gehör

Östrogen wirkt auch auf andere Körpersysteme ein - u.a. auch auf das Innenohr

Wechseljahresbeschwerden
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Hintergrund

Östrogen wirkt nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane, sondern auch auf viele andere Körpersysteme – darunter, wie sich zunehmend zeigt, das Innenohr. In der Hörschnecke und in den Hörbahnen des Gehirns finden sich Andockstellen für Östrogen, sogenannte Östrogenrezeptoren. Man vermutet, dass das Hormon dort die Durchblutung fördert, Entzündungsprozesse dämpft und Nervenzellen schützt. Weil der Östrogenspiegel mit den Wechseljahren sinkt, stellt sich die Frage, ob dies auch das Hörvermögen beeinflusst. Drei aktuelle Arbeiten – eine grosse US-Studie, eine noch grössere britische Langzeitstudie sowie eine systematische Übersichtsarbeit – haben sich mit diesem Thema befasst.

Fragestellung

Im Zentrum stand die Frage, ob die Wechseljahre selbst, das Alter beim Eintritt der Menopause, die Dauer der fruchtbaren Lebensphase (von der ersten bis zur letzten Regelblutung) sowie die Einnahme einer Hormontherapie (HRT) das Risiko für einen Hörverlust beeinflussen – und ob sich in der bisherigen Forschung ein einheitliches Bild ergibt.

Methode

Hsu und Kollegen werteten Daten von 1778 Frauen (40–69 Jahre) aus der US-amerikanischen Gesundheitsstudie NHANES aus, bei denen das Hörvermögen mittels Audiometrie objektiv gemessen wurde. Fu und Kollegen nutzten die britische UK-Biobank-Datenbank mit über 214 000 Frauen und verfolgten deren Gesundheitsverlauf im Schnitt 13 Jahre lang, um die Entwicklung von ärztlich diagnostiziertem Hörverlust zu erfassen. Aloufi und Kollegen fassten in einer systematischen Übersichtsarbeit 35 frühere Studien zusammen, die den Zusammenhang zwischen weiblichen Geschlechtshormonen und Hörfunktion untersucht hatten. Alle drei Arbeiten berücksichtigten in ihren Auswertungen weitere Einflussfaktoren wie Alter, Lärmbelastung, Rauchen sowie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. In der US-Studie war der Menopausenstatus allein nicht entscheidend für das Hörvermögen; jedoch hatten Frauen mit spätem Eintritt der Menopause und einer längeren fruchtbaren Lebensphase im Durchschnitt ein besseres Gehör – ein Hinweis darauf, dass eine längere Östrogen-Exposition über das Leben hinweg schützend wirken könnte. Eine Hormontherapie zeigte hier keinen messbaren Effekt. Die britische Langzeitstudie kam teils zu anderen Schlüssen: Sowohl natürliche als auch operativ bedingte Wechseljahre gingen mit einem deutlich höheren Hörverlust-Risiko einher als die Zeit vor der Menopause, und sowohl eine sehr kurze als auch eine sehr lange fruchtbare Lebensphase erhöhten das Risiko leicht – nicht nur eine kurze, wie man vermuten könnte. Auch eine höhere Kinderzahl war mit mehr Hörverlust verbunden, was teilweise durch ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko erklärbar war. Bei der Hormontherapie zeigte sich in dieser Studie sogar ein leicht erhöhtes Risiko bei Frauen, die in üblichem Alter (46–55 Jahre) in die Wechseljahre kamen, während bei sehr früher oder später Menopause kein klarer Effekt bestand. Die Übersichtsarbeit bestätigt, dass Frauen vor den Wechseljahren im Schnitt besser hören als gleichaltrige Männer, dieser Vorteil mit der Menopause jedoch rasch schwindet, und dass Hörschwellen über den Menstruationszyklus hinweg leicht schwanken – besser bei hohem Östrogenspiegel.

Limitationen

Alle Studien sind Beobachtungsstudien; sie können also einen Zusammenhang zeigen, aber keine Ursache beweisen. Menopausenstatus und Hormoneinnahme wurden teils selbst berichtet, was zu Ungenauigkeiten führen kann. Zudem lag zwischen Hormoneinnahme und Diagnose oft ein langer Zeitraum, sodass nicht auszuschliessen ist, dass andere Faktoren – etwa Art, Dosis oder Dauer der Hormontherapie – das Ergebnis mitbestimmt haben. Die gemessenen Effekte waren zudem in allen Studien statistisch, aber klinisch eher gering ausgeprägt.

Fazit

Die reproduktive Lebensgeschichte einer Frau – Alter bei Menopause, Dauer der fruchtbaren Phase und eine allfällige Hormontherapie – scheint mit dem Hörvermögen in Zusammenhang zu stehen, wenn auch nicht immer einheitlich. Ein pauschaler Rat, eine Hormontherapie zum Schutz des Gehörs einzunehmen oder abzusetzen, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten. Sinnvoll erscheint es jedoch, das Thema Hörgesundheit künftig stärker in die Betreuung rund um die Wechseljahre einzubeziehen und bei Bedarf eine audiologische Abklärung anzusprechen. Weitere, insbesondere ursächliche Forschung ist nötig, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

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Referenzen

1. Hsu JZ, Gu K, Nguyen B, Choi JS. Association of Menopause and Hormone Replacement Therapy with Hearing Loss. Ann Otol Rhinol Laryngol. 2026;135(8):607-615.
2. Fu C, Wang Q, Hao W, Virani SS, Barth C, Zhu D. Reproductive milestones, use of menopausal hormone therapy, and risk of hearing loss: A life course study of 214 327 women. Maturitas. 2025;201:108685.
3. Aloufi N, Heinrich A, Marshall K, Kluk K. Sex differences and the effect of female sex hormones on auditory function: a systematic review. Front Hum Neurosci. 2023;17:1077409.

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