Vaginales Östrogen und Rektumkarzinom

Hat lokal angewendetes vaginales Estradiol einen Einfluss auf das Risiko für Enddarmkrebs?

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Referenz
SiitonenH et al., Vaginal use of estradiol is associated with a reduced risk of rectalcancer in postmenopausal women: A Finnish nationwide case-control study. Maturitas. 2026 Jan;204:108802.
Hintergrund


Nach den Wechseljahren sinkt derÖstrogenspiegel. Viele Frauen entwickeln dadurch Beschwerden im Genitalbereich,wie Trockenheit oder wiederkehrende Blasenprobleme. Zur Behandlung wird häufigvaginales Estradiol (ein Östrogen in Tablettenform für die Scheide) eingesetzt.

Gleichzeitig ist Enddarmkrebs (Rektumkarzinom)eine häufige Krebsart. Frühere Studien haben gezeigt, dass systemischeHormonersatztherapie (also Hormone, die im ganzen Körper wirken) das Risiko fürDarmkrebs senken kann.

Unklarwar jedoch: Hat auch lokal angewendetes vaginales Estradiol einen Einfluss aufdas Risiko für Enddarmkrebs?

Fragestellung der Studie

Die Forschenden wollten wissen:

Haben Frauen nach der Menopause, die vaginalesEstradiol anwenden, ein geringeres Risiko, an Enddarmkrebs zu erkranken?

Methode

  • Studie wurde in Finnland durchgeführt.
  • Es handelte sich um eine große Registerstudie.
  • Untersucht wurden Daten von rund 1,1 Millionen Frauen nach der Menopause.
  • Verglichen wurden:
    o Frauen mit Enddarmkrebs
    o Frauen ohne Enddarmkrebs (Kontrollgruppe)
Wichtig:
  • Frauen, die eine systemische Hormonersatztherapie verwendeten, wurden ausgeschlossen.
  • Es wurde nur vaginales Estradiol berücksichtigt.
  • Die Daten stammten aus staatlichen Gesundheitsregistern (1994–2019).

Die Forschenden berechneten, wie häufig Enddarmkrebs bei Anwenderinnen und Nicht-Anwenderinnen vorkam.

Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 17 % der Frauen mit Enddarmkrebs hatten vaginales Estradiol verwendet.
  • 20 % der Frauen ohne Krebs hatten es verwendet.


Frauen, die vaginales Estradiol nutzten, hatten ein 12–23 % geringeres Risiko, an Enddarmkrebs zu erkranken.
Weitere Beobachtungen:

  • Der schützende Effekt zeigte sich bereits nach weniger als 3 Jahren Anwendung.
  • Er hielt bis zu 5 Jahre nach Absetzen an.
  • Anwenderinnen bekamen die Diagnose im Durchschnitt 9 Jahre später als Nicht-Anwenderinnen.

Die Studie beweist keinen ursächlichen Zusammenhang, zeigt aber eine deutliche statistische Verbindung.

Limitationen (Einschränkungen)

Die Studie hat einige Schwächen:

  • Es wurden keine Lebensstilfaktoren berücksichtigt (z. B. Ernährung, Rauchen, Gewicht).
  • Die tatsächliche Einnahme konnte nicht direkt überprüft werden – nur die Verschreibung.
  • Ab 2014 war das Medikament rezeptfrei erhältlich, wodurch spätere Nutzungsdaten fehlten.
  • Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie – daher kann nicht sicher gesagt werden, dass das Estradiol die Ursache für das geringere Risiko ist.

Möglicherweise leben Frauen, die vaginales Estradiol nutzen, insgesamt gesundheitsbewusster.

Fazit

Die Studie legt nahe, dass:
Vaginal angewendetes Estradiol bei Frauen nach den Wechseljahren mit einem geringeren Risiko für Enddarmkrebs verbunden sein könnte.
Neben der bekannten Wirkung gegen Scheidentrockenheit könnte es also einen zusätzlichen gesundheitlichen Vorteil geben.

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