
Referenz
Heller C, Christensen E, Murata EM, Petersen N, Casto K, Datta S, Larsen B, Arciniega H. Why menstrual cycle irregularities belong in brain research. Nat Med. 2025
Der Menstruationszyklus ist viel mehr als ein reines Fruchtbarkeitsmerkmal – er gilt heute als wichtiger Gesundheitsindikator, der sowohl den körperlichen als auch den mentalen Zustand widerspiegeln kann. Unregelmässige Zyklen sind sehr häufig. Bis zu jede 6. Frau ist betroffen. Dennoch werden Frauen mit unregelmässigen Menstruationsmustern in der Hirnforschung oft ausgeschlossen, obwohl gerade sie wertvolle Hinweise auf die Verbindung zwischen Gehirn und Hormonsystem liefern könnten.
Der Zyklus wird durch ein empfindliches Zusammenspiel zwischen Gehirn, Hormondrüsen und Eierstöcken gesteuert. Störungen in diesem System sind oft frühe Warnsignale für gesundheitliche Probleme – etwa bei Schilddrüsenstörungen, PCOS, Endometriose, chronischem Stress oder ungesundem Essverhalten. Diese Bedingungen beeinflussen nicht nur den Zyklus, sondern stehen auch mit Veränderungen in Gehirnstruktur, Stimmung und mentaler Gesundheit in Verbindung.
Die Auswertung zahlreicher Studien zeigt, dass hormonelle Schwankungen über den Monat hinweg messbare Effekte auf das Gehirn haben – zum Beispiel auf seine Aktivität, Netzwerke oder chemischen Botenstoffe. Bei Frauen mit unregelmässigen Zyklen fehlen diese typischen Hormonschwankungen oft, was wiederum mit veränderten Mustern im Gehirn einhergehen kann. Ausserdem treten Zyklusunregelmässigkeiten bei vielen neurologischen oder psychischen Erkrankungen häufiger auf, etwa bei Depressionen, Angststörungen, Migräne oder Epilepsie. Besonders spannend sind neue Erkenntnisse zur Gehirnerschütterung: Viele Betroffene entwickeln danach Zyklusverzögerungen oder ausbleibende Perioden, was auf eine längerfristige Störung des hormonellen Gleichgewichts hindeutet. Umgekehrt scheint der Zeitpunkt innerhalb des Zyklus eine Rolle für die Schwere von Gehirnerschütterungssymptomen zu spielen. Hormonelle Verhütungsmittel wirken einerseits stabilisierend auf den Zyklus, maskieren aber gleichzeitig Symptome von hormonellen Störungen wie die eines PCOS, so dass die Diagnose unerkannt bleiben oder verzögert werden kann.
Der Artikel betont, dass die aktuelle Forschung grosse Lücken aufweist, da viele Studien Frauen mit unregelmässigen Zyklen aus methodischen Gründen ausschliessen. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild darüber, wie der „typische“ hormonelle Einfluss auf das Gehirn aussieht.
Insgesamt wird deutlich, dass Zyklusunregelmässigkeiten nicht als Nebensache abgetan werden sollten. Sie sind oft ein wichtiges Signal des Körpers, das Hinweise auf die Gesundheit des Gehirns und die hormonelle Balance gibt. Der Menstruationszyklus sollte als das betrachtet werden, was er ist: ein zentraler, oft unterschätzter Vitalparameter, der wertvolle Einblicke in die neurologische und psychische Gesundheit ermöglicht.
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Prof. Dr. med. Petra Stute, Stv. Chefärztin Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Frauenklinik Inselspital Bern, Schweiz
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